Führungsgrundsätze

Anläßlich eines Kommunikationstrainings für erfolgreiches Führen in Projekten konnte ich feststellen, dass ich einiges schon vor längerer Zeit beim Militär gelernt habe. Natürlich darf man es nicht mehr so direkt ansprechen weil es einerseits eine eigene Projektmanagementsprache gibt und außerdem ist es vielen zu kriegerisch. Trotzdem habe ich die alten Führungsgrundsätze hier hereingestellt, damit wir sie eventuell in eine “zeitgemäße” bzw. angepaßte Sprachweise umwandeln können.

Führungsgrundsätze

Die Führungsgrundsätze sind in einer der jeweiligen Lage angepassten Form anzuwenden, wobei es für den Kommandanten darauf ankommt, die in einer Lage wesentlichen Grundsätze zu erkennen.

1. Einheit der Führung

  • ungeteilte persönliche Verantwortung des Kdt
  • Einheit der Führung in einem bestimmten Raum durch die taktische Zusammengehörigkeit bestimmt
  • bei Festlegung von Grenzen besonders zu beachten

2. Klares Ziel

  • Erreichen des Zieles muss Erfolg bedeuten
  • Abstimmung auf Leistungsfähigkeit der Truppe
  • Kräfte, Zeit und Raum mit Ziel in Einklang bringen
  • in der Verteidigung das Behaupten des entscheidenden Geländes = Schlüsselgelände
  • im Angriff Vernichtung des Feindes (oder Besitznahme von entscheidenden Geländeteilen)

3. Einfachheit

  • ermöglicht schnelle Anpassung an Lageentwicklung
  • gegeben durch einfache klare Befehlsverhältnisse
  • möglichst einfache Pläne der Durchführung

4. Handlungsfreiheit

wird bewahrt durch

  • bewegliche Führung
  • Sicherung vor Überraschung
  • Erhalten der Bewegungsfähigkeit
  • Wahrung des Zusammenhanges der Kräfte
  • Nützen jeder Möglichkeit für Gegenangriffe
  • Aktive Kamfführung, initiative Führung, auch in der Verteidigung

5. Schwergewicht

  • im Angriff dort wo man Entscheidungen sucht
  • in der Abwehr dort, wo man sie erwartet
  • Verlagerung im Verlauf des Gefechtes muss möglich sein

Gebildet durch

  • Einsatz von Stosskraft
  • Einsatz von Feuerkraft
  • Bereithalten und Verwendung von Reserve(n)
  • Platz des Führers
  • Einsatz von Luftstreitkräften
  • Steuerung der Versorgung
  • Verwendung der Kommunikations- Kräften und –Mittel

6. Ökonomie der Kräfte

  • für unvermeidliche Nebenaufgaben ein Minimum an Kräften
  • Truppe möglichst schonen um in entscheidenden Phasen voll einsetzen zu können
  • gestecktes Ziel mit geringstmöglichen Verlusten erreichen
  • Truppe ihrer Eigenart und Leistungsfähigkeit entsprechend einsetzen

Das bedeutet:

a. Richtige Kräfterelation = maximale Kampfkraft an entscheidender Stelle

  • richtiges Verhältnis der Kräfte zum angestrebten Ziel
  • keine unerfüllbaren Aufgaben
  • Nebenaufgaben nur ein Minimum an Kräften

b. richtiger Kräftehaushalt = volle Leistungsfähigkeit im entscheidenden Augenblick

  • richtige Einteilung
  • rechtzeitige Versorgung
  • Ruhe
  • Auffrischung

7. Beweglichkeit

Bewegliche Führung

  • erfolgt immer
  • geistige Wendigkeit
  • rasches Erkennen der Lage und Anpassung
  • schnelle Entschlussfassung
  • kurze Befehlsgebung
  • kühnes Wagen nach sorgfältigem Abwägen (Beurteilen)

beweglich gekämpft

  • wird, wenn Luftlage und technische Beweglichkeit der Truppe dies erlauben
  • Wechsel der Kampfart
  • Auflockerung, Konzentration der Kräfte
  • Feuer und Bewegung im koordinierten Zusammenwirken
  • Verlegen des Schwergewichtes

8. Schnelligkeit

  • darf nicht zur Hast führen
  • Zeitberechnungen sind nach realistischen Grundlagen durchzuführen (kein Selbstbetrug)

9. Überraschung

bedeutet den Feind:

  • zu unerwarteter Zeit
  • an unerwarteter Stelle
  • in unerwarteter Weise

zu treffen; gegeben durch

  • Schnelligkeit
  • Täuschung

Feind darf keine Zeit gelassen werden wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Den Feind zu überraschen ist somit ein ausschlaggebendes, für den an Kräften oder technischer Ausstattung Schwächeren oft das einzige Mittel, um

  • Unterlegenheit auszugleichen
  • Erfolg zu erringen

10. Reserven

ermöglichen

  • Beeinflussung des Kampfverlaufes
  • Wahrung der Handlungsfreiheit
  • Muss dem Kommandant frei zur Verfügung stehen
  • Zu schwache Reserven schränken die Handlungsfreiheit ein
  • Je breiter der Gefechtsstreifen, desto stärker die Reserven
  • Reserven sollen nach dem Einsatz wieder zur Verfügung stehen
  • Ist die Reserve ausgespielt, ist eine neue zu bilden
  • Der Einsatz der Reserve ist dem übergeordneten Kommando zu melden
  • Platz der Reserve so, dass sie nicht vorzeitig oder gegen den Willen des Kommandanten zum Einsatz kommt, dass sie aufgelockert bleibt und außerhalb der feindlichen Feuerwirkung ist
  • Reserven geschlossen einsetzen (nicht teilen), oder von vornherein zwei Reserven bilden, wenn es das Gelände erfordert

11. Geländewahl

  • entsprechend der Gliederung und technischen Ausstattung der eigenen bzw.  feindlichen Kräfte
  • angepasst der eigenen Absicht
  • in der Verteidigung Feind zum frontalen Angriff zwingen
  • Als Vergleich dazu, möchte ich auf den Projektmanagementblog verweisen. Hier werden die Ansätze von Prof. Fredmund Malik dargestellt. Er Beschreibt in seinem Buch “Führen, leisten, leben” sechs Führungsgrundsätze, die auch für ProjektmangerInnen von Bedeutung sind. Vieleicht kann man die Sichtweisen bzw. die sprachlichen Formulierungen verbinden. Hat Prof. Malik etwas vergessen?  LINK

Eines der besten Bücher zum Thema Führung stammt von Fritz Hinterberger und Gerald Karner.

Das Prinzip Führung

Hier ein Artikel von Gerald Karner: Link

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